Ratgeber zur privaten Unfallversicherung

Was ist eine Unfallversicherung?

  • Eine Unfallversicherung ist eine private, freiwillige Zusatzversicherung, die fĂŒr die finanziellen Folgen einer physischen oder psychischen BeeintrĂ€chtigung in Folge eines Unfalls in der Freizeit und im Haushalt aufkommt.
  • Klar abzugrenzen ist die private Unfallversicherung von der Gesetzlichen Unfallversicherung, zu der jeder Arbeitnehmer in Deutschland von seinem Arbeitgeber angemeldet werden muss. Die Gesetzliche Unfallversicherung deckt aber nur UnfallschĂ€den ab, die wĂ€hrend der AusĂŒbung der beruflichen TĂ€tigkeit oder auf den direkten Weg zur Arbeit passieren.

Notwendigkeit der Unfallversicherung oft verkannt

  • Eine private Unfallversicherung braucht jeder! Die Gesetzliche Unfallversicherung deckt nĂ€mlich nur UnfĂ€lle ab, die mit der AusĂŒbung der beruflichen TĂ€tigkeit im direkten Zusammenhang stehen geschehen.
  • Vor dem Hindergrund, dass fast 50 % aller UnfĂ€lle in der Freizeit oder bei unscheinbaren alltĂ€glichen Haushaltsarbeiten geschehen, ist ein privater Unfallversicherungsschutz sehr wichtig, da der Sturz von der Leiter nicht nur leichte Verletzungen nach sich ziehen kann, sondern im Ernstfall auch lebenslĂ€ngliche BeeintrĂ€chtigungen nach sich ziehen können.
  • Eine InvaliditĂ€t bedeutet nicht nur schwere körperliche und seelische BeeintrĂ€chtigungen fĂŒr Betroffene und unmittelbare Familienangehörige, sondern auch hohe finanzielle Kosten. FĂŒr einen Rollstuhlfahrer muss unter UmstĂ€nden die komplette Wohnung behindertengerecht umgebaut werden. Wie prominente Beispiele zeigen, kann ein folgenschwerer Unfall aus heiterem Himmel jederzeit geschehen. Zwar ist die VollinvaliditĂ€t eines Christopher Reeves, der vom Pferd gestĂŒrzt ist, zum GlĂŒck nicht gleich bei jedem Unfall die Folge, doch eine Unfallversicherung leistet auch bei teilweiser InvaliditĂ€t. Verliert zum Beispiel jemand in Folge eines Unfalls ein Auge, so zahlt die Unfallversicherung 50 % der vereinbarten InvaliditĂ€tssumme.

FĂŒr körperlich TĂ€tige und Kinder besonders wichtig

  • Besonders Menschen, die sehr viel Sport treiben, brauchen eine Unfallversicherung. Dabei spielt es gar nicht einmal eine Rolle, ob waghalsige Sportarten wie Fallschirmspringen oder Ski fahren betrieben werden oder ob man nur im Sportverein Badminton oder Fußball spielt.
  • Auch scheinbar ungefĂ€hrlich wirkende Sportarten sind nicht immer weniger Unfall gefĂ€hrdet als sog. “Risikosportarten”. Sogar beim belanglosen Fahrradausflug an einem sonnigen Wochenende können folgenschwere UnfĂ€lle mit lebenslĂ€nglicher BeeintrĂ€chtigung durch die eigene Unachtsamkeit oder der anderer entstehen. Beispielsweise kann ein Fahrradfahrer durch einen Autofahrer, der von der Straße abkommt, erfasst werden. Mit einem solchen Unfall können nicht nur körperliche SchĂ€den oder EinschrĂ€nkungen, sondern auch langwierige mentale und psychische FolgeschĂ€den verbunden sein. Diese können unter UmstĂ€nden sogar die berufliche Zukunft zerstören z. B. chronisch wiederkehrende epileptische AnfĂ€lle, die bei schweren StĂŒrzen mit hoher Geschwindigkeit keine Seltenheit sind.
  • Den meisten Menschen ist jedoch gar nicht bewusst, dass eben nicht nur sogenannte “Risikosportarten” wie Ski fahren oder Bergsteigen mit hohen Unfallrisiken verbunden sind. Bei richtiger Handhabung sind diese sogar durch große Achtsamkeit und strenge Sicherheitsvorkehrungen weitaus weniger Unfall gefĂ€hrdet als die meisten Menschen annehmen.
  • Dennoch sollten gerade auch “Risikosportler” eine leistungsstarke Unfallversicherung besitzen, da die Unfallfolgen bei diesen Sportarten meistens sehr schwer wiegen, wenn dann doch etwas passiert.
  • Bereits Kinder brauchen eine Unfallversicherung, da bei diesen die Achtsamkeit, das Bewusstsein und die Wahrnehmung fĂŒr (potentielle) Risiken noch nicht so wie beim Erwachsenen ausgeprĂ€gt sind. Gerade auch das scheinbare harmlose Toben auf einem Spielplatz oder auf Spielstraßen kann bei einem unglĂŒcklichen Fall schwer wiegende Folgen nach sich ziehen.
  • Das gleiche gilt fĂŒr Ă€ltere Menschen, die nicht zuletzt auf Grund ihrer nachlassenden körperlichen Fitness und Beweglichkeit besonders Unfall gefĂ€hrdet sind. Sogar TĂ€tigkeiten, die fĂŒr jĂŒngere Menschen selbstverstĂ€ndlich und belanglos sind, stellen fĂŒr Ă€ltere Menschen oft eine grĂ¶ĂŸere HĂŒrde da, wenn diese z. B. Probleme beim Treppensteigen haben und dadurch leichter stĂŒrzen können als jĂŒngere Menschen.
  • Eine gute Unfallversicherung ist also fĂŒr jeden BĂŒrger auf Grund der vielfĂ€ltigen potentiellen Gefahrsituationen im Alltag sinnvoll, der nicht gerade ein großes Geldvermögen auf seinen Konto hat!

Ausreichende Versicherungssumme vereinbaren

  • Mit einer Unfallversicherung sollten mindestens 100.000 Euro fĂŒr den Fall der VollinvaliditĂ€t mit einer Progression von wenigstens 225 % abgesichert sein. Bei Kindern, die im Falle einer VollinvaliditĂ€t lĂ€nger von der ausgezahlten Versicherungssumme “zehren” mĂŒssen, sollten 250.000 Euro versichert werden. Oft kann es aber auch besser sein, lieber die Premium-Variante eines Unfallversicherung Anbieters zu wĂ€hlen, statt die Basisvariante mit höherer Versicherungssumme. So besitzt beispielsweise die KOMFORT PLUS Variante der Volkswohlbund Unfallversicherung eine bessere Gliedertaxe als die Basisvariante. Das bedeutet, dass bei gleicher Verletzung und gleicher versicherter Versicherungssumme, die KOMFORT PLUS-Variante trotzdem eine höhere Versicherungsleistung auszahlen wĂŒrde.
  • Bei Erwachsenen ist eine so hohe Versicherungssumme nicht unbedingt notwendig, weil diese auch noch Leistungen aus der Gesetzlichen Rentenversicherung (allerdings nur bei voller ErwerbsunfĂ€higkeit) beziehen.
  • Neben einer Unfallversicherung sollte allerdings frĂŒhzeitig an den Abschluss einer privaten BerufsunfĂ€higkeitsversicherung gedacht werden, da gerade bei der VollinvaliditĂ€t schon eine betrĂ€chtliche Summe fĂŒr z. B. behindertengerechte Umbaumaßnahmen und Pflegeleistungen notwendig werden kann, so dass fĂŒr eine langfristige monatliche Auszahlung zur anstĂ€ndigen Bestreitung des Lebensunterhalts nicht mehr ausreichend Geld ĂŒbrig bleibt.
  • Es besteht zwar auch die Möglichkeit, eine Unfallversicherung mit vereinbarter monatlichen Unfallrente abzuschließen, so dass die nicht einmalig gezahlte Kapitalauszahlung dafĂŒr angelegt werden muss. Das macht allerdings in den meisten FĂ€llen wenig Sinn, da zur Zahlung der Unfallrente wenigstens 50 % InvaliditĂ€t vorliegen mĂŒssen, so dass der Versicherte gar nichts von der Unfallrente hat, wenn die SchĂ€digung knapp unter diesen 50 % liegt. Hinzu kommt noch, dass eine Unfallrente den Beitragssatz nicht unerheblich erhöht. Mehr Sinn macht es daher, eine höhere einmalige Kapitalzahlung zu vereinbaren, die auch fĂŒr sofort notwendige Maßnahmen in Folge des Unfalls investiert werden können. Höchstens ergĂ€nzend zu der einmaligen Kapitalzahlung kann eine Unfallrente vereinbart werden. Auf die Unfallrente sollte aber nicht das Hauptaugenmerk gelegt werden!
  • Da jedoch viele UnfĂ€lle zum GlĂŒck nicht immer gleich mit den Verlust einer Gliedmaße oder der dauerhaften BeeintrĂ€chtigung dieser einher geht, sollte eine gute Unfallversicherung unbedingt auch fĂŒr Bergungskosten und kosmetische Operationen (einschließlich Zahnersatz) mit mindestens 10.000 Euro aufkommen. Ein Bergsteiger, der in eine Felsspalte rutscht und von einem Hubschrauber geborgen werden muss oder ein Fahrradfahrer, der bedingt durch einen Sturz, einen oder mehrere ZĂ€hne verliert, muss ansonsten fĂŒr die entstehenden Kosten selbst aufkommen. Ein hochwertiges Zahnersatz Implantat kostet pro Zahn mehr als 1.000 Euro, von denen die Gesetzliche Krankenversicherung nur noch einen Festzuschuss in Höhe von ca. 120 Euro ĂŒbernimmt.

Auf vorteilhafte Versicherungsbedingungen achten

  • Die Vertragsbedingungen von Unfallversicherungen sind so unterschiedlich ausgestaltet, dass zwischen den verschiedenen Tarifen Welten liegen können.
  • Ein Unfall bedeutet nicht immer, dass daraus auch ein Leistungsanspruch gegenĂŒber den Unfallversicherer beseht, da nicht nur die gesundheitliche Unfallfolge (z. B. ein Kreuzbandriss, wodurch das Knie dauerhaft in seiner Bewegung eingeschrĂ€nkt ist), sondern die im Versicherungsvertrag zu Grunde gelegte Unfalldefinition und die im Kleingedruckten vermerkten LeistungsausschlĂŒsse, die beim Unfallhergang gewirkt haben oder diesen voraus gegangen sind, entscheidend sind.
  • Jede einzelne Formulierung spielt bei der Definition der Versicherungsleistung eine entscheidende Rolle.
  • Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungsgesellschaft definiert einen Unfall als “ein plötzlich von außen auf 
 (den) Körper einwirkendes Ereignis”, wodurch der Versicherte “unfreiwillig eine Gesundheitsstörung erleidet”.
  • Oft wird auf diese Definition in der Unfallpolice verwiesen. Dann sind jedoch beispielsweise Erfrierungen in Folge einer Bergbesteigung im Winter nicht versichert, da Erfrierungen nicht “plötzlich” eintreten, sondern die zeitliche Folge einer zu langen Wanderung in der KĂ€lte sind.
  • Ein Sturz ist dagegen zwar “plötzlich”, jedoch heißt das noch lange nicht, dass dieser auch “von außen” verursacht wurde! Knickt z. B. jemand um, erkennen viele Unfallversicherer dies nicht an! Unbestreitbar “von außen” verursacht ist der Sturz dagegen, wenn jemand z. B. ĂŒber einen grĂ¶ĂŸeren Ast stĂŒrzt, da dieser “von außen” auf den Körper eingewirkt hat.
  • Entscheidend ist bei o. g. Definition auch die Frage, ob die SchĂ€digung direkt in Folge einer Wirkung “auf den Körper” verursacht wurde oder nur indirekt in Folge einer psychischen Belastung. Regt sich z. B. jemand durch einen Unfall so auf, dass dieser noch zusĂ€tzlich einen Herzinfarkt erleidet, so sind ggf. daraus entstehende Gesundheitsstörungen nicht versichert, da das Unfallereignis nicht unmittelbar “auf den Körper” gewirkt hat, sondern Folge der psychischen Belastung und AnfĂ€lligkeit des GeschĂ€digten gewesen sind.
  • Entscheidend ist darĂŒber hinaus nicht nur die Unfalldefinition, sondern auch die allgemeine bzw. zum Zeitpunkt des Unfalls vorliegende körperliche, mentale und psychische Verfassung des Versicherten.
  • Klassisches Beispiel dafĂŒr sind UnfĂ€lle in Folge von Alkoholkonsum. Bei einigen Versicherten sind diese jedoch bis zu einer bestimmten Promillegrenze mitversichert.
  • DarĂŒber hinaus gibt es auch noch einige weitere Bewusstseinsstörungen, die einen Unfall verursachen können und daher von der Unfallpolice mit abgesichert sein sollten. Nicht selten passieren UnfĂ€lle auch gerade in Folge des sog. Sekundenschlafs und auch die scheinbar unbedenkliche Einnahme von Medikamenten kann einen Unfall zumindest begĂŒnstigen.
  • Unbedingt abgedeckt sollten auch UnfĂ€lle von Folge eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sein, was jedoch bei vielen Tarifen im Unfallversicherung Vergleich der Fall ist.
  • Auch Infektionen und Vergiftungen sind nicht per se in einer Unfallpolice mitversichert.
  • Psychische Langzeitfolgen können dagegen in einer Unfallversicherung nur dann versichert werden, wenn diese aus einer körperlichen Unfallfolge wie z. B. SchĂ€delhirntrauma resultieren.
  • Unabdingbar ist es, einen Unfall sofort bei der Unfallversicherung zu melden, da ansonsten nach der Verstreichung einer bestimmten Frist (in der Regel 15 Monate) kein Versicherungsschutz mehr besteht.
  • Liegen allerdings Vorerkrankungen, bei denen die durch den Unfall geschĂ€digten Gliedmaßen bereits vorher beeintrĂ€chtigt waren, wird gewöhnlich der Prozentsatz der Unfall InvaliditĂ€t durch den Versicherer entsprechend gemindert.
  • Nicht nur Ă€ltere Menschen sollten aus den beschriebenen GrĂŒnden einen umfassenden Unfallversicherung Vergleich vornehmen, um die Unfallpolice zu finden, die allen genannten Punkten Rechnung trĂ€gt und dies explizit im Tarif auffĂŒhrt.
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